Team PEUGEOT Romo

Sie ist jung, smart, spricht als studierte Übersetzerin fünf Sprachen fließend und ist ganz wild auf Action. Rallye-Co-Pilotin Lara Vanneste. Nach einer tollen ersten Saisonhälfte hat das IMPRESS YOURSELF Magazin letztes Wochenende mit Co-Pilotin Lara Vanneste über ihre ungewöhnliche Karriere in einer Männerwelt gesprochen. Mit 26 Jahren fährt die Belgierin Lara Vanneste bereits ihre siebte Rallye-Saison als Co-Pilotin. In diesem Jahr erstmals für PEUGEOT – an der Seite vom deutschen Fahrer Christian Riedemann.

Portrait Lara Vanneste

Wieso schlägt Dein Herz so sehr für den Motorsport?

Das geht vor allem auf das Konto von meinem Papa. In den Neunzigerjahren war Rennsport in meiner Heimat Belgien nämlich ein Riesending und fast so beliebt wie Fußball. Ich war ungefähr fünf Jahre alt, da hat er mich zu einem Rennen mitgenommen.

Und da war es sofort um Dich geschehen?

Genau! Es hat mich alles sofort begeistert. Alles war so groß, so spannend, so beeindruckend: mehr als 100.000 Zuschauer, die vielen Leute, die Atmosphäre, die Autos, die röhrenden Motoren. Obwohl ich noch so klein war, wusste ich in diesem Moment schon ganz genau: Das ist mein Ding!

Was liebst Du am Rallyefahren ganz besonders?

Es ist Adrenalin pur. Und ich bin der totale Adrenalin-Junkie! So ein Rennen gibt mir einen riesigen Kick. Es ist großartig, alle Sinne auf Empfang zu schalten; sich selbst 150-prozentig zu spüren.

Ralley Interview

Nervt es Dich nicht, dass viele Leute immer wieder denken, dass eine Beifahrerin ja gar nicht so viel tun kann und kaum aktiv ins Rennen eingreifen kann?

Das ärgert mich total, denn es stimmt einfach nicht. Ich habe sehr viel Einfluss! Ich finde den richtigen Weg. Ich sorge dafür, dass der Fahrer im richtigen Moment schneller oder langsamer fährt. Genau das zeichnet einen Top-Beifahrer aus. Dass er das Gefühl dafür haben muss, ob beim Tempo schon das Maximum rausgeholt ist oder ob da nicht doch noch ein bisschen mehr geht.

Stimmt es, dass die Rallyewelt immer noch eine von Männern dominierte Welt ist?

Manchmal ist es ein Klischee, manchmal aber auch nicht. Zumindest am Anfang habe ich es oft erlebt, dass ich mir den Respekt der Männer hart erkämpfen musste. Am Anfang sind sie sehr kritisch mit mir umgegangen und es dauerte eine ganze Weile, bis sie mich wirklich ernst genommen haben. Außerdem gilt bis heute: Wenn sich Männer zwischen einem Mann und einer Frau als Beifahrer entscheiden müssen, dann entscheiden sich die meisten gegen die Frau.

Ralley Interview

Warum ist das so?
Es sind die alten Vorurteile, die immer noch in vielen Köpfen herumgeistern. Frauen können keine Karten lesen, Frauen sind kompliziert, sind Drama-Queens und dass es angeblich schwierig ist, mit uns zusammenzuarbeiten. Aber das ist ja alles Blödsinn. Zumal wir Frauen oft eine psychologisch viel größere Stärke haben als die Kerle.

Was war für Dich Dein bisheriges Karriere-Highlight?
Als ich mit 21 Jahren die jüngste Beifahrerin bei der Weltmeisterschaft in Großbritannien war. Es war für mich die allererste WM-Rallye, die wir dann am Ende nach hartem Kampf und ein bisschen Glück sogar gewonnen haben. Das war großartig, zumal dieser Sieg unter sehr ungünstigen Bedingungen zustande kam.

Inwiefern?

Ich hatte Nieren-Probleme und musste deshalb zwischendurch zweimal zur Behandlung ins Krankenhaus. Meinem Fahrer hatte ich aber nichts davon erzählt. Ich hatte Angst, dass er denkt: Typisch Frau, wenn es darauf ankommt, dann ist sie zu schwach und wird krank. Angesichts dieser großen Chance, die sich uns da bot, habe ich Schmerzen einfach unterdrückt.

Haben Dich Autos schon als kleines Mädchen begeistert?

Auf jeden Fall. Bereits als Vierjährige fand ich die Spielzeugautos meiner Cousins viel spannender als Puppen. Und natürlich habe ich als Mädchen immer mal wieder Barbie-Puppen geschenkt bekommen. Aber das war so gar nichts für mich; denen habe ich dann erst einmal die Haare abgeschnitten. Danach sahen die so furchtbar aus, dass ich noch weniger Lust hatte, mit ihnen zu spielen. (lacht)

Kannst Du zu Hause gut abschalten oder brauchst Du privat auch viel Action?

Ich denke, es ist eine Mischung aus beidem. Ich bin im Jahr ungefähr 18 Wochen für Rallyes unterwegs. Eine Zeit, in der ich Action pur habe. Das macht mir riesigen Spaß, ist für Körper und Psyche auf Dauer aber auch eine Belastung. Danach nehme ich mir die Zeit, um meine Batterien wieder aufzuladen. Wenn ich das nicht tun würde, hätte ich nach einiger Zeit ein echtes Problem. Ich habe es gelernt, auf meinen Körper zu hören. Ich brauche aber beides. Ich wäre todunglücklich, wenn ich ab morgen keine Rallyes mehr fahren könnte und stattdessen einen Routine-Job hätte.